Statusmitteilung

ein Monat Österreich

Autor: Sarah

Nicole ist nun schon seit einem ganzen Monat unser Familienmitglied und es fühlt sich so richtig an. Irgendwie ist da so eine innere Verbindung zwischen ihr und uns, welche sie zu einem Teil unserer Familie macht. Nicole ist kein Gast mehr, sondern Tochter, Schwester und Enkelkind. Diese Erkenntnis bestätigt sich in den alltäglichsten Situationen. Unsere Austauschschülerin lacht über die selben Witze, hat einen ähnlichen Geschmack und wie Beate so schön sagte: „Es ist so komisch, wir sorgen uns um sie, als wäre sie unser leibliches Kind!“

Momentan ist Nicole auf dem Anfangsseminar von YFU (Blogbeitrag darüber kommt nächste Woche online). Sie ist deshalb für 3 Tage nicht bei uns und genau das fühlt sich irgendwie komisch an. Beim Frühstück sitzt eine Person weniger und am Nachmittag gibt es niemanden, der am Klavier klimpert.
Doch was passierte die letzten vier Wochen besonderes, dass Nicole so stark zum Teil unserer Familie geworden ist? Ich kann es nicht genau sagen, denn es geschah so viel!

Die erste Woche habe ich schon in dem Beitrag „eine Woche Österreich“ genau beschrieben, weshalb ich hier nun mehr auf die restliche Zeit eingehen will.

AUSFLÜGE & EVENTS

Bereits am 11.9. ging ich mit Nicole und einer weiteren Freundin ins Kino, wo wir uns „Bad Spies“ anschauten. Trotz geringer Deutschkenntnissen verstand meines Schwester die Handlung und wir hatten eine schöne Zeit zu Dritt! Nur, dass wir das Popcorn ohne Soße aßen irritierte sie ein bisschen…

Einen Tag später entdeckte Nicole dann ein paar Sonnenblumenfotos ihrer Freundinnen in Österreich, weshalb wir gleich am Nachmittag aufs Feld gingen um ebenfalls schöne Fotos damit zu machen. Anscheinend gibt es Sonnenblumenfelder in Mexiko nicht. Leider fanden wir jedoch nur ein einziges (noch nicht verblühtes) Sonnenblumenfeld. Und genau dort wurden die Blumen ein paar Stunden zuvor abgeschnitten… Aus den Sonnenblumenfotos wurden also normale Fotos am Feld. Zumindest eine schöne Blume konnten wir noch retten :).

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Außerdem unternahmen wir im September zwei Ausflüge nach Wien (das erste Mal Wien & die Fische in Wien – kommt am Donnerstag online). Das Haus des Meeres, das technische & naturhistorische Museum, Time Travel Vienna, den Stephansdom, die Nationalbibliothek und die Hofburg wurden im Zuge dessen durch uns „unsicher gemacht“.

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Wie schon erwähnt, ist Nicole gerade (passend zum Abschluss des ersten Monats in Österreichs) auf ihrem ersten YFU-Seminar in Salzburg. Dort kommt sie mit den anderen Austauschschülern in Kontakt und erfährt durch Workshops viel über ihre Zeit in Österreich. Vor allem zwischenmenschliches Lernen und Selbstreflexion steht dort im Vordergrund.

ALLTAG

Die Schule in Österreich fand allmählich ihren normalen Rhythmus, auch wenn die ersten Schularbeiten noch auf sich warten lassen. Für alle Jugendlichen der Familie hieß es deswegen wieder weniger Freizeit und mehr Arbeit. (Nicoles Schule in Österreich)

Mit der Schule war auch das Finden von ersten österreichischen Freunden verbunden. Nicole hatte echtes Glück in eine sehr offene, hilfsbereite Klasse zu kommen und konnte sich dadurch schnell einleben. Bereits in der ersten Woche unternahm sie etwas mit ihren Mitschülern, welche ihr beim Einkauf der Schulsachen halfen.

Außerdem mussten wir um eine Aufenthaltsbewilligung für Nicole ansuchen, damit es ihr erlaubt ist mehr als 3 Monate lang in Österreich zu bleiben. Dies war nicht allzu schwierig und nach einem Gang auf die Bezirkshauptmannschaft erledigt.

Die größte Rolle im Alltag spielte die Sprache. Noch immer reden wir viel Englisch mit Nicole, da dies einfach leichter ist. Hilfreich für ihr Deutsch (welches sie ja am Ende des Jahres können sollte) ist dieses Verhalten jedoch logischerweise nicht. Deswegen haben wir uns schon in der zweiten Woche darauf geeinigt, größtenteils Deutsch zu sprechen und nur noch einzelne Wörter zu übersetzen. Funktioniert hat das bis jetzt so mittelmäßig, doch wir werden uns weiterhin bemühen.

Bei uns in Österreich gibt es vier eindeutig differenzierbare Jahreszeiten. Der Sommer ist vorbei und nun befinden wir uns bereits am Anfang des Herbstes. Doch während wir auf die Umschwünge der Jahreszeiten vorbereitet sind, musste Nicole dies erst kennenlernen. Gewand für kühlere Tage hat sie kaum mitgebracht. Aus diesem Grund gingen wir in der letzten Septemberwoche shoppen. Handschuhe, Socken (sie besaß nur Sneaker) und Pullover wanderten in die Einkaufstasche – eigentlich sollte sie dadurch zumindest für das nächste Monat gerüstet sein. Nur eine Haube wollte sie (noch) nicht kaufen, da ihr sowas „nicht steht“… Wahrscheinlich wird diese jedoch in der nächsten Zeit noch besorgt werden. Nicole kann sich momentan nämlich nicht wirklich vorstellen, wie kalt es wirklich wird.

Einkaufen gingen wir im September generell öfters. So brauchte sie zum Beispiel auch bergtaugliche Schuhe für eventuelle Wanderungen. Leider schafften wir es wetterbedingt im ersten Monat zwar noch nicht in die Berge, doch dies wird im Oktober hoffentlich nachgeholt.

ZWISCHENMENSCHLICH

Nicole hat sich sooooo schnell eingelebt, dass wir sie schon nach der zweiten Woche nicht mehr wegdenken konnten. Trotz immer wieder auftretenden Missverständnissen hatten wir überhaupt keine Probleme uns miteinander zurecht zu finden.

Nur ich war am Anfang ein bisschen neidisch auf sie. Gar nicht so, weil ich nun nicht mehr das einzige Mädchen in der Familie bin, sondern weil ich auch gerne ein Auslandsjahr machen würde. Nur habe ich momentan leider (noch) nicht die Möglichkeiten dazu. Nicole kann sich ein schönes Jahr in Österreich machen (wobei sie in eine Schule mit 22 Wochenstunden geht und nicht einmal in allen Fächern eine Note braucht, jedoch trotzdem in Mexiko das Jahr angerechnet bekommt), während ich auch sooo gerne raus in die Welt gehen würde! Zum Glück dauerte dieser Neid nicht lange und mittlerweile kann ich mich für sie freuen. Es entstand daraus kein Streit :).

FAZIT

Es ist so viel passiert, ich kann es nicht in Worte fassen! Sowohl zwischenmenschlich als auch ausflugstechnisch tat sich Woche für Woche mehr als ich jemals niederschreiben könnte. Das erste Monat war geprägt vom gegenseitigen Kennenlernen, dem emotionalen Beziehungsaufbau und dem Vorbereiten auf alles was da kommen mag.

 

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