Kurzmitteilung

Willkomm und Abschied

Autor: Sarah

Unser Projekt Gastfamilie startet erst so richtig Anfang September, doch während wir noch gespannt darauf hinfiebern wie es wohl werden wird mit einem neuen Familienmitglied, geht bei einer befreundeten Familie gerade ein wunderschönes Austauschjahr zu Ende. Doch auch mir geht dieser Abschied sehr Nahe, denn für mich verschwindet gerade eine Klassenkameradin und gute Freundin zurück in ihre Heimat Estland.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie mir meine Freundin erzählte, dass sie und ihre Familie kommendes Jahr eine Austauschschülerin aufnehmen wollen. Der Weg dahin war sehr spannend für sie. Ein Zimmer wurde hergerichtet, Emails wurden ausgetauscht und auch Skype kam häufig zum Einsatz.

Am 2. September 2017 war es dann endlich soweit und das Flugzeug aus Estland landete in Österreich. Ich durfte meine Freundin auf den Flughafen begleiten und bekam somit die Ankunft hautnah mit. Noch ganz unsicher und auf Englisch liefen die ersten Unterhaltungen ab und auch der erste Besuch der österreichischen Schule am Tag darauf war noch sehr von der anfänglichen Schüchternheit geprägt.

Meine Freundin nahm anfangs jemanden Fremden bei sich auf und auch ich bekam ein Neues Klassenmitglied. Der bereits bestehende Freundeskreis wurde fleißig durchgeschüttelt, doch mit jedem Tag wuchs eine tiefere Bindung zum estnischen Besuch.

Ab November wurde nur noch Deutsch gesprochen und spätestens dann war Ella aus Estland keine Fremde mehr, sondern gehörte ohne weiteres überall dazu. Sie bekam keine Sonderstellung mehr und für meine Freundin war sie eindeutig zur Schwester geworden.

Dieser einkehrende Alltag wurde jedoch auch zu einer kleinen Herausforderung für Ella und war dadurch auch mit kleinen Schüben Heimweh geprägt. Gemerkt habe ich das erst im Nachhinein, als sie mir davon erzählte.

Doch dieses Heimweh war schnell überwunden und ab dem 2. Semester wurde sie schließlich eindeutig zu einer guten Freundin von mir. Wir unternahmen Ausflüge, sie war Gast auf meiner Geburtstagsfeier und die Klassenreise nach Budapest war dank ihr einfach unvergesslich schön.

Anfang Juni rückte der Abschied jedoch immer näher. Die Wochen schwanden dahin und plötzlich konnte man die restlichen Tage an einer Hand abzählen. Für mich ist und bleibt der Abschied sehr irreal. Der letzte Schultag wurde mit Tränen durchtränkt und dank eine kleine Feier noch einmal realer gemacht. An diesem Tag würde ich sie für mehr als ein Jahr das letzte Mal sehen.

Am Bahnhof umarmten wir uns noch für eine viel zu kurze Ewigkeit und Ella drückte mir noch einen kleinen Abschiedsbrief in die Hand. Den wollte ich zuerst gar nicht öffnen, denn realisieren, dass sie geht wollte und konnte ich nicht.

Mittlerweile habe ich den Brief jedoch gelesen und heute ist er nun gekommen, der letzte Tag in Österreich. Für mich geht „nur“ eine Freundin, doch für meine Freundin und ihrer Familie geht eine Schwester und ein viertes Kind.

Ein Abschied kann schwer fallen, doch das Leben ist ein Kommen und Gehen.
Nun frage ich mich, wie es wohl sein wird wenn unsere Austauschschülerin am Ende des Schuljahres wieder unsere Familie verlässt. Wird es uns auch so schwer, oder vielleicht sogar schwerer fallen? Halten wir überhaupt so lange durch und müssen dem Abschied nicht schon früher ins Auge blicken? Haben wir auch so eine positive Erfahrung?

Für uns beginnt die Reise eines Austauschjahres erst. Für meine Freundin geht sie zu Ende.

(Ellas Blog. Das Austauschjahr aus ihrer Sicht als Austauschschüler: ellamariaustria.wordpress.com)

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